Träumen – Tag 15/40 – 05.03.2021

Heute mal ein ganz anderer Gedanke…

Träumen, Träume, was habe ich nicht schon alles geträumt. Den Tag mit hinein genommen in die Nacht. Die verrücktesten Mixturen aus Realität und Wunschdenken oder auch Ängsten tauchen da Nacht für Nacht auf… Ja, und dann gibt es ja noch all die Tagträume…Die Wunschträume, die Reiseträume, die Zukunftsträume. Ganz genau erinnere ich mich noch an eine solche Traumnacht, sie ist nun 30 Jahre her. Es war die Nacht zu meinem 30. Geburtstag. Alle hatten mir erzählt, wie schlimm es wäre 30 zu werden, dann wäre die Jugend vorbei. Ich fand das albern und dachte, was kann schon passieren. Mitten in der Nacht um 3.00 Uhr wurde ich panisch wach, da war es eben doch passiert: Der Traum machte mir deutlich: Du bist 30, noch nicht verheiratet, keine Kinder, keinen Hund, kein Eigenheim und keinen Gartenzaun und immer noch Vikarin. Da saß ich nun in meinem Bett und konnte nicht mehr einschlafen, eine ganze Stunde lang. Als ich dann doch wieder in den Schlaf fiel und erst gegen 6.00 Uhr aufwachte, war mein erster Gedanke: Jetzt musst Du noch 35 Jahre arbeiten… Und alles war wieder gut und ich mittlerweile 30. In diesem Februar nun bin ich 60 geworden, ganz ohne Angsttraum…

In der Bibel gibt es eine Geschichte über einen Menschen, der besonders von Gott ausgesucht war, für ihn seinen Weg zu gehen, sein Volk zu führen, aber er will nicht, er stemmt sich förmlich mit Händen und Füßen und stammelnden Worten gegen diesen Auftrag, aber Gott lässt nicht locker:

„Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ich Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. So geh nun hin, (…) ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. (…) Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt. (…) Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht. Darum geh hin und versammle die Ältesten von Israel und sprich zu ihnen: (…) Und sie werden auf dich hören. (…) Mose aber sprach zu dem Herrn: Ach, mein Herr, ich bin von jeher nicht beredt gewesen, auch jetzt nicht, seitdem du mit deinem Knecht redest; denn ich hab eine schwere Sprache und eine schwere Zunge. Der Herr sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen? Oder wer hat den Stummen oder Tauben oder Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich’s nicht getan, der Herr? Nun aber geh hin: Ich will mit deinem Munde sein und dich lehren, was du sagen sollst. Mose aber sprach: Ach, mein Herr, sende, wen du senden willst. Da wurde der Herr sehr zornig über Mose und sprach: Gibt es da nicht deinen Bruder Aaron, den Leviten? Ich weiß, dass er beredt ist. Und siehe, er wird dir entgegenkommen, und wenn er dich sieht, wird er sich von Herzen freuen. Du sollst zu ihm reden (…) Und der Herr sprach zu Aaron: Geh hin Mose entgegen in die Wüste. Und er ging hin und begegnete ihm am Berge Gottes und küsste ihn. Und Mose tat Aaron kund alle Worte des Herrn, die er ihm aufgetragen hatte, und alle Zeichen, die er ihm befohlen hatte. Und sie gingen hin und versammelten alle Ältesten der Israeliten. Und Aaron sagte alle Worte, die der Herr mit Mose geredet hatte, und Mose tat die Zeichen vor dem Volk. Und das Volk glaubte. Und als sie hörten, dass der Herr sich der Israeliten angenommen und ihr Elend angesehen habe, neigten sie sich und beteten an.“ Exodus 3+4

Welche Angstträume mag Mose gehabt haben, wie mag ihm bei diesem Auftrag der Schweiß ausgebrochen sein? Und trotzdem oder gerade deshalb versucht er seinem Gott zu widersprechen, mit aller ihm innenwohnenden Kraft und es gelingt ihm, er verliert zwar nicht die Aufgabe, aber er bekommt Hilfe… Aus dieser Hilfe ist letztlich der für mich schönste Segensspruch der Bibel geworden, den Gott Aaron in den Mund legt:

„Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Numeri 6,24-26

So kann aus dunkler Nacht heller Morgen werden…

Hören Sie „Valse“ von Edvard Grieg, gespielt von Marc Jaquet am Flügel der Lutherkirche.

Ihre Pfarrerin Ulrike Veermann

Foto aus lizenzfreiem Fotopool

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