Träumen – Tag 12/40 – 02.03.2021

Eine schreckliche Geschichte des Alten Testaments steht im Buch Genesis. Da ist Gott erzürnt über die Menschen, sie tun einfach nicht, was er sagt. Ihm reicht es und so spricht er eine harte Strafe aus:

„Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn.“

Sie alle wissen wie die Geschichte weiterging. Noah baute eine Arche und nahm von jedem Tier ein Paar und die Wasser kamen und alles um die Arche herum versank im Wasser. Gut für die auf der Arche, schrecklich für die, die untergingen. Nie werde ich das Bild eines Konfirmanden vergessen, der genau dieses Bild malte. Hart die Strafe – umso größer das Wunder am Ende der Geschichte:

„Nach vierzig Tagen tat Noah an der Arche das Fenster auf, das er gemacht hatte, und ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her, bis die Wasser vertrockneten auf Erden. Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche; denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden. Da tat er die Hand heraus und nahm sie zu sich in die Arche. Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals die Taube fliegen aus der Arche. Sie kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden. Aber er harrte noch weitere sieben Tage und ließ die Taube ausfliegen; sie kam nicht wieder zu ihm. (…) Da tat Noah das Dach von der Arche und sah, dass der Erdboden trocken war. (…) So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, dazu alles wilde Getier, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. (…) Und Gott sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren auf Erden. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.“

Eine Geschichte eines wütenden, eines grausamen, eines vergebenden Gottes. Eines Gottes, der letztlich sieht, das Einzige, das feststeht auf Erden ist mein Bund, den ich mit den Menschen, die ich gewollt habe, geschlossen habe. Ich bin für sie da, komme, was da wolle. Sie sind wie sie sind, aber meine Liebe hält durch bis an der Welt Enden.

Was für ein Wunder, das die Menschen ihrem Gott zuschreiben. Er ist eben anders als wir. Diese alptraumhafte und zugleich so verheißungsvolle fantastische Geschichte hat nur diese eine entscheidende Botschaft: Seine Liebe bleibt, gerade auch in schweren Zeiten. Zeiten, die nicht von ihm geschickt sind, so verspricht er Noah und so hält er es bis heute, aber er geht jeden Weg mit.

Hören Sie „Mazurka und Süsse Träumerei“ von Peter Tschaikowsky, gespielt von Yeain Lee am Flügel der Lutherkirche.

Ihre Pfarrerin Ulrike Veermann

Foto: Uwe Janser

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