Staunen – Tag 9/40 – 26.02.2021

Unglaubliche Gewalt steckt in einem einzigen Blitz. Sich dieses äußerlich so wunderschöne Bild anzuschauen und sich zugleich zu fragen, ob nichts Schlimmes geschehen ist, sind eins.

Manchmal da frage ich mich, ob uns unsere Welt eigentlich braucht. Wäre sie nicht besser dran ohne den Störfaktor Mensch? Wäre Gott nicht besser dran ohne den Menschen?

Früher zur Zeit der Entstehung des Alten Testamentes war jeder Blitz, auch dieser so wunderschöne, eine Äußerung des verärgerten Gottes. Wieder einmal hatten die Menschen etwas getan, das gegen die Gebote war, und Gott ließ seiner Wut freien Lauf und „schlug zu“.

Wie gut, dass es aber immer auch die Bilder gibt, in denen er wieder die Hand ausstreckte und sich aufs Neue seinen Menschen zuwandte. Ein wunderschönes Bild dafür ist auch das des Regenbogens, der dafür steht, dass die Beziehung wieder stimmt, kein Unwetter, kein Blitzeinschlag mehr zu erwarten ist.

In der heutigen Zeit wissen wir, dass Blitze Naturgewalten sind, sie kommen nicht aus der Hand eines, unseres Gottes, nein, da entladen sich Energiemassen und sie bilden faszinierende Bilder und sind vor Allem mit Vorsicht zu genießen.

Unser Gott aber ist keiner, bei dem jeden Tag damit zu rechen ist, dass er seiner Enttäuschung Ausdruck oder seiner Wut über uns nachgibt. Und wir können dankbar sein, dass er mit liebenden Augen auf uns schaut und diese Liebe viel größer ist als das, was wir selber unsere Liebe nennen.

Nur manchmal, wenn ich ganz verzweifelt bin über das Handeln mancher Menschen oder über die Reaktion einiger Menschen zum Beispiel in Coronazeiten, da wünschte ich mir für einen kurzen Moment, dass er dreinschlägt… Aber in wenigen Augenblicken ist dieser Gedanke verschwunden und der Dank dafür, dass Gott eben nicht reagiert wie ich es täte, lässt mich aufatmen und schenkt mir Kraft selbst Verantwortung zu übernehmen. Erstaunlich, was seine Liebe leisten kann.

„Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe beibt der belibt in Gott und Gott in ihm.“ 1 Joh 4,16b

Hören Sie „Träumerei“ aus „Kinderszenen“ von Robert Schumann, gespielt von Marc Jaquet am Flügel der Lutherkirche.

 

Ihre Pfarrerin Ulrike Veermann

Foto: Uwe Janser

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