Raum – 28/40 – 20.03.2021

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Psalm 31.9

Das Leitbild unserer Gemeinde steht unter diesem Wort aus dem 31. Psalm.

Ein Wort, das für mich sehr gut beschreibt, wie ich meinen Weg mit dem Glauben erlebe. Wie ich mir meinen Gott wünsche, wie ich ihn immer wieder einmal erfahren kann.

Ein Wort, das sich eigentlich in sich selbst zu widersprechen scheint. Wie kann ich Weite und Raum gemeinsam denken? Hat nicht das eine sichere Mauern und das andere zeichnet sich durch seine Endlosigkeit aus?

Wenn ich am Meer sitze und zum Horizont schaue, kann ich dann das, was da vor mir liegt fassen? Umarmen? In einen Raum bringen? In meinem letzten Urlaub Anfang des vergangenen Jahres war ich auf einer Insel in einem Hotel, das einen Infinity-Pool hatte, faszinierend, dort am Wasser zu liegen und kein Ende der Welt zu sehen – fantastisch, ein Augenblick, der kurz spüren ließ, dass dahinter noch etwas sein muss, hinter dieser Endlosigkeit, dieser Weite…

Manchmal aber brauche ich auch den Raum, den Ort der Sicherheit, in den ich mich zurück ziehen kann, in dem ich mich geborgen und sicher fühle, in den nur kommen darf, dem ich die Türe öffne. Dort kann ich die sein, die ich bin, ohne Verstellung, mit all meinen Wünschen, meiner Unsicherheit, meiner Wut, meinen Fragen, meinen Zweifeln…

Wie kann ich beides zusammen denken, zusammen, in einem Gott, der meine Wege mit mir geht, den ich nicht hineinlassen muss, der einfach da ist, still in der Ecke oder am Strand, hinter dem Horizont.

Der Psalmist fasst dieses Gefühl in diese einfachen Worte: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Wir als Lutherkirche versuchen mit unserer Arbeit, in unserer Gemeinde eben das abzubilden. Luther möchte Sicherheit geben, sich auszuprobieren, allein und mit anderen, die genauso auf der Suche sind, aber zugleich auch erzählen von einem Gott, der für mich Türen öffnet und mir die Weite des Lebens schenkt, mit all den Überraschungen, die diese Welt für mich noch zu bieten hat. Und wenn es dann zu viel ist, kann ich zurückkommen, in meinen, in unseren Raum…

Hören Sie „Pièce en forme de Habanera“ von Maurice Ravel, gespielt von Erik Nestler am Saxophon und Yeain Lee am Flügel der Lutherkirche.

Ihre Pfarrerin Ulrike Veermann

Foto: Christian Oeser

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