Jetzt! Ja! – 38/40 – 01.04.2021

Wie mag es damals an diesem letzten gemeinsamen Abend gewesen sein? (Markus 16)

Sie kommen zusammen in Jerusalem. Das gehört zu dem Wallfahrtsfest schließlich dazu. Jeder weiß, was da gefeiert wird: die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft durch Gott.

Und wie in jedem Jahr suchen sie sich einen Raum und bereiten alles vor, damit am Abend die Feier beginnen kann. Es gibt wie immer die traditionellen Matzen, die ungesäuerten Brote, die an den schnellen Aufbruch aus Ägypten erinnern. Jemand wird die Kerzen auf dem Leuchter anstecken, das Brot brechen, den Kelch kreisen lassen, den Lobgesang anstimmen.

Es soll ein schönes und fröhliches Fest werden. Spannungen soll es in diesen Tagen nicht geben. Man verträgt sich oder setzt den Streit aus, wenn man mit jemandem uneins ist.

Sie feiern mit Jesus, den sie als Befreier erleben. Er hat sie befreit von den zum Teil hartherzigen und menschenunfreundlichen Gesetzen. Mit ihm sind sie, wie einst Mose mit seinem Volk durchs Schilfmeer, durch die Untiefen des Lebens gegangen. Er hat ihnen Kraft und Mut gegeben angesichts der politischen Unterdrückung durch die Römer. Hat sie vor der Verfolgung durch die Pharisäer beschützt. Statt den Zehn Geboten, die Mose seinem Volk von Gott mitbrachte, hat Jesus ihnen eine Liebe zugetragen, die alle Ketten der Gesetzlichkeit sprengt.

Aber diese Nacht ist anders, Jesus sagt Worte, die außerordentlich berühren.

„Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isst, wird mich verraten.“

Ein Tabubruch. Der Verdacht steht im Raum.

Das Fest ist geplatzt.

Stellen Sie es sich vor, wie es wäre wenn an Ostern im Familienfest genau das passieren würde:

Plötzlich kommt ein Thema auf den Tisch, das die Feier sprengt. Eine dumme Anspielung, eine falsche Bemerkung, betretendes Schweigen, betroffene Gesichter. Die Festtagsstimmung ist dahin.

Und noch einmal bricht Jesus ihre Erwartungen. Jetzt gerade feiert er mit ihnen ein Gemeinschaftsmahl, setzt es ein als Versöhnungsmahl, das sogar den Verräter mit einschließt.

Jesus füllt die entstehende Leere mit einer neuen Hoffnung. Es gibt einen Tisch, der uns einlädt, über gegenwärtige Spannungen und Urteile hinauszublicken. Einen Tisch, der für alle gedeckt ist, gerade auch die, die sich fragen: „Bin ich’s?“.

Und so spannt unser Abendmahl am Gründonnerstag den Bogen in die Zukunft Gottes aber geht nicht an unserer Gegenwart vorbei. Immer dann, wenn wir es feiern, verändert es unsere Gegenwart, macht uns Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, die ausgesprochen werden müssen, ausgesprochen werden dürfen.

Elli Wiese hat Recht wenn er schreibt:

„Was uns den Menschen nicht näherbringt, entfernt uns von Gott.“

Hören Sie „Brandenburgisches-Konzert-Nr.-1-IV.-Polacca“ von Johann Sebastian Bach, gespielt von Patrick Dreier an der Trompete und Marc Jaquet an der Orgel der Lutherkirche.

Ihre Pfarrerin Ulrike Veermann

Foto: lizenzfreier Fotopool

 

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