Jetzt! Ja! – 35/40 – 29.03.2021

Heute musste ich an eine Geschichte aus dem Frauenkreis denken. Eine unserer katholischen Damen erzählt oft Geschichten aus ihrem Leben, ab und zu mit Witzen gewürzt, besonders gern erzählt sie von Petrus, der immer gerade auf Erden unterwegs ist. Eine, die erzählt wie das so ist, mit dem Ehegeheimnis.

„Wieder einmal waren der Herr und Petrus auf Wanderschaft über die Erde. Einmal hatten sie sich verlaufen und wussten nicht mehr genau wo der richtige Weg war. Doch da war ein Schäfer in der Nähe, der ließ seinen Hund die Hütearbeit tun, lag faul auf dem Rücken und ruhte sich aus. Ihn fragte der Herr nach dem Weg. Der Faulpelz von Schäfer aber machte den Mund nicht auf: er hob bloß seinen Fuß ein kleines bisschen in die Höhe und zeigte damit die Richtung, in die der Weg weitergehe. Als die beiden wieder unterwegs waren, sagte Petrus empört: „Was war das für ein fauler Kerl, es ist doch gut, daß man solche Leute nicht alle Tage trifft. Das könnte einem ja die Freude an der Menschheit verderben.“ Kurze Zeit darauf trafen sie ein Mädchen, das fleißig auf dem Feld arbeitete. Der Herr fragte auch sie nach dem Weg. Da sprach das Mädchen: „Ihr könnt euch hier leicht verlaufen. Ich will lieber ein Stück mit euch gehen.“ Damit legte sie die Hacke hin und begleitete die beiden Wanderer ein ganzes Stück Weges. Als sie wieder umgekehrt war, sprach Petrus: „Welch ein nettes Mädchen, so zuvorkommend und dabei so frisch und sauber! Die muss aber einen netten Mann kriegen!“ Da sagte der Herr, „Die kriegt den Schäfer!“ „Was?“, rief Petrus, „den Faulpelz von Schäfer? Warum denn das?“ „Der eine muss den anderen ergänzen.“, antwortete der Herr.“

Eine Geschichte, die ich gerne erzähle, wenn Paare zu mir kommen, um getraut zu werden. Sie sind sich sicher, dass sie alle Wege miteinander gehen werden, jede Entscheidung zusammen treffen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, so verschieden die Wege, die sie zueinander geführt haben auch waren.

Wir sind unterschieden, aber wir ergänzen uns.

Diese kleine Geschichte über das Leben beschreibt ein Grundprobem, das wir oft in unserem Leben haben. Wir können einander nicht immer alles Recht machen, manchmal müssen wir eigene Wege gehen und können nur hoffen, dass die Freund*innen, die Partner*innen, die Familien verstehen, was uns antreibt, was uns so sein lässt wie wir sind. Wunderschön, wenn es so klappt wie in der Geschichte über Gottes Spaziergang auf Erden…

Schöner aber vielleicht noch, wenn wir uns nicht aus dem Auge verlieren, wenn wir nach einem gemeinsamen Weg suchen, den wir miteinander gehen. Manchmal macht der eine, die andere, kleine Schlenker, aber es bleibt die Hoffnung wieder den Weg zusammen weiter zu gehen…

Wir sind in der Karwoche, wie komme ich auf solch eine Geschichte über die Liebe?

Vielleicht weil sich in der Karwoche die Idee des gemeinsamen Weges so verdichtet, wie selten. Da versprachen sie einander beieinander zu bleiben, jeden Weg gemeinsam zu gehen, durch dick und dünn, ja, und dann wurde es ernst, sie schliefen ein, sie hatten Angst, einer verleugnete ihn, einer verriet ihn. Schlimmer konnte die Trennung des Weges nicht sein. Eigentlich konnte die Trennung nur endgültig sein. Über dieser Geschichte aber steht das größte Versprechen Jesu. Die größte Zuwendung Gottes, eine Liebe, die vergeben kann, auch die getrennten Wege und sie dann im Morgen wieder zusammen bindet.

Und die Jünger kamen zurück, gingen seinen, gingen ihren Weg und wussten, was sie verloren hatten, aber über allem wussten sie, was sie gewonnen hatten…

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen.“ Psalm 37.5

Hören Sie „La meneuse de tortues d’or“ von Jaques Ibert, gespielt von Erik Nestler am Saxophon und Yeain Lee am Flügel der Lutherkirche.

Ihre Pfarrerin Ulrike Veermann

Foto: Ulrike Veermann

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